Ferienvermietung auf Mallorca – die Umsatzsteuerfalle!

Sie meinten, alles richtig gemacht zu haben, und trotzdem erlebt ein Vermieter einer Ferienimmobilie eine unangenehme Überraschung: Das Finanzamt teilt mit, dass er Umsatzsteuer (Spanisch: IVA) schuldet. Aus heiterem Himmel.

Wer seine Immobilie in die Ferienvermietung geben will, sollte unbedingt prüfen, ob er umsatzsteuerpflichtig ist.

Der Betroffene ist verwundert, denn er betreibe keine „reinrassige“ Ferienvermietung, die ja umsatzsteuerpflichtig ist, sondern die administrativ und steuerlich schlankere Variante, für die keine IVA-Buchhaltung notwendig ist.

Reverse Charge Verfahren

Wie kann jemand Umsatzsteuer schulden, der gar keine umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit ausübt? Das ist im Fall der Ferienvermietung einfach: Verantwortlich sind Rechnungen für Vermittlerdienste ausländischer Firmen mit Umsatzsteuer-Umkehr („Reverse Charge“). Um das zu verstehen, muss man sich den Unterschied zwischen Geldfluss und „fiskalischer Realität“ vor Augen halten. Obwohl das Geld vom Endkunden zum Vermittler fließt und von diesem zum Eigentümer, handelt es sich dabei um das folgende, vom Geldfluss abweichende Geschäft: Einerseits bezahlt der Kunde dem Fincabesitzer die Miete, andererseits bezahlt der Fincabesitzer dem Vermittler seine Provision.

Zahlschuld des Eigentümers

Bei Rechnungen für Vermittlerdienste ausländischer Firmen kann die Umsatzsteuer anfallen.

Die Miete ist im genannten Fall umsatzsteuerfrei. Die erwähnte Provision jedoch ist weder umsatzsteuerfrei, noch mit dem verminderten Umsatzsteuersatz belastet, sondern muss mit derzeit 21 Prozent IVA (Impuesto sobre el Valor Añadido) abgerechnet werden. Und zwar unabhängig davon, ob der Fincabesitzer nun mit oder ohne Umsatzsteuer vermietet.
Wenn der ausländische Vermittler nun eine Rechnung mit Umkehr der Umsatzsteuerlast stellt, entsteht eine Zahlschuld beim Eigentümer. Denn für eine Dienstleistung im Zusammenhang mit einer spanischen Immobilie fällt die Umsatzsteuer dann eindeutig in Spanien an, wenn der Eigentümer eine spanische Rechnungsadresse angibt. (Bei einer deutschen Rechnungsadresse ergibt sich eine klärungsbedürftige Situation, auf die wir bei Gelegenheit gesondert eingehen werden.)

Der Fincabesitzer als Unternehmer

Der Fincabesitzer ist im Sinne des spanischen Umsatzsteuer-gesetzes Unternehmer – egal ob er für die Umsatzsteuer angemeldet ist oder nicht, und selbst wenn er im Sinne der Einkommensteuer NICHT als Unternehmer gilt. Somit kann auch ein umsatzsteuerfrei vermietender Fincabesitzer eine Rechnung mit Umsatzsteuer-Umkehr erhalten. Darauf ist ein Netto-Betrag vermerkt und ein Zusatztext im Sinne von: Die Umsatzsteuer wird vom Empfänger der Rechnung geschuldet. Im Klartext: Der Fincabesitzer muss nun auf den genannten Betrag beim spanischen Finanzamt die fälligen 21 Prozent abführen.

Ein umsatzsteuerfrei vermietender Fincabesitzer kann eine Rechnung mit Umsatzsteuer-Umkehr erhalten.

Für solche Fälle – Umsatzsteuerzahlungen von Unternehmern, die kein Recht auf Umsatzsteuerabzug haben – gibt es auch ein eigenes Formular. Im spanischen Finanzamt wurde die Devise ausgegeben, eventuell nicht eingezahlte Umsatzsteuer direkt bei den Fincabesitzern einzutreiben. Aus diesem Grund ist zu empfehlen, die Situation zu prüfen, sollten Zweifel bestehen.

Gastautor: Thomas Fitzner, European@accounting, Mallorca

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